Pontifical Council for the Pastoral
Care of Migrants and Itinerant People

 

Botschaft zum Welttag des Tourismus 2016

(27. September)

 

„Tourismus für alle - Barrierefreie Zugänge ermöglichen“

 

1. „Tourismus für alle - Barrierefreie Zugänge ermöglichen“ ist das Thema, das die Internationale Tourismusorganisation (UNWT) für den Welttag des Tourismus gewählt hat, der wie immer am 27. September stattfindet. Der Heilige Stuhl hat sich dieser Initiative in dem Bewusstsein der Bedeutung dieses Bereiches und der Herausforderungen und Gelegenheiten, die er für eine Evangelisierung bietet, schon vom ersten Mal an angeschlossen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl derer, die sich eine Ferienzeit leisten können, stark zugenommen. Den letzten Berichten der Weltorganisation für Tourismus zufolge, die sich auf das Jahr 2015 beziehen, beläuft sich die Zahl der internationalen Ankünfte von Touristen auf 1.184 Millionen und wird bis 2030 die Zwei-Milliarden-Grenze erreichen. Hinzu kommen die noch höheren Zahlen im lokalen Tourismus.

 

2. Mit dem zahlenmäßigen Wachstum ist auch das Bewusstsein für den positiven Einfluss, den der Tourismus in vielen Lebensbereichen mit seinen zahlreichen positiven Aspekten und Möglichkeiten ausübt, gestiegen. Ohne einige seiner zweifelhaften oder negativen Elemente zu ignorieren, sind wir davon überzeugt, dass der Tourismus zu einer Humanisierung beiträgt, denn er bietet Gelegenheit zur Erholung und den Völkern und Kulturen Möglichkeiten zum gegenseitigen Kennenlernen, er stellt ein Instrument des Wirtschaftswachstums dar, er dient der Förderung des Friedens und des Dialogs, trägt zur Bildung und dem persönlichen Wachstum bei und bietet Momente der Begegnung mit der Natur und der Umwelt für ein geistiges Wachstum, um nur einige seiner positiven Eigenschaften zu erwähnen.

 

3. Auf der Grundlage dieser positiven Einschätzungen und in dem Bewusstsein, dass insbesondere der Tourismus und ganz allgemein die Freizeit zu den Forderungen der menschlichen Natur gehört und für sich selbst einen unverzichtbaren Wert darstellt“,[1] müssen wir unterstützt von der kirchlichen Lehre feststellen,[2] dass der Tourismus nicht nur eine Gelegenheit ist, sondern ein Recht aller sein muss und dass er sich nicht auf bestimmte soziale Schichten und auf einige genau umschriebene geographische Gebiete beschränken darf. Auch die Weltorganisation des Tourismus bestätigt, dass der Tourismus „ein Recht ist, dass allen Bewohnern der Welt in gleicher Weise offen steht [...], und es sollten ihm keine Hindernisse in den Weg gelegt werden“.[3]

Man kann also von einem „Recht auf Tourismus“ sprechen, das gewiss einen konkreten Ausdruck des Rechts auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub darstellt wie es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948 in Art.24 anerkennt.

 

4. Aber wenn wir die Realität betrachten, stellen wir fest, dass nicht alle sich Urlaub erlauben können und dass noch immer viele Menschen von diesem Recht ausgeschlossen sind.

Vor allem in vielen Entwicklungsländern, in denen auch die grundlegenden Bedürfnisse nicht garantiert sind, erscheint dieses Recht sicherlich als weit entfernt und es mag sogar als frivol scheinen, darüber zu sprechen, obwohl sich diese Aktivität auch als ein Instrument im Kampfe gegen die Armut erweist. Aber auch in wirtschaftlich höher entwickelten Ländern gibt es breite Teile der Bevölkerung, die nicht ohne weiteres Zugang zum Tourismus haben.

Aus diesem Grunde wird auf internationaler Ebene der sogenannte „Tourismus für alle“ gefördert, von dem alle Gebrauch machen können und der die Begriffe des „barrierefreien Tourismus“, des „nachhaltigen Tourismus“ und des „sozialen Tourismus“ miteinander verbinden.

 

5. Unter „barrierefreiem Tourismus“ versteht man das Bemühen, alle Zielorte und touristischen Dienstleistungen allen Menschen zugänglich zu machen, unabhängig von ihrem kulturellen Niveau, von permanenten oder zeitlich begrenzten Barrieren (physischen, mentalen oder sensoriellen) oder von besonderen Bedürfnissen, wie die zum Beispiel, denen von Kindern oder älteren Menschen.

             

6. Das Konzept des „nachhaltigen Tourismus“ umfasst das Bemühen darum, dass diese menschliche Aktivität sich im größtmöglichen Respekt der Unterschiedlichkeit der Kulturen und der Umweltbedingungen des Aufnahmeortes bewegt, wobei gegenwärtige und zukünftige Auswirkungen zu beachten sind. Die Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus kann eine große Hilfe zu einer guten Verwaltung der Schöpfung bieten, die Gott den Menschen anvertraut hat.[4]

 

7. Der „soziale Tourismus“ verlangt, dass nicht ausgeschlossen werden darf, wer einer anderen Kultur angehört, über geringere wirtschaftliche Mittel verfügt oder in benachteiligten Regionen lebt. Zu den Zielgruppen von Eingriffen in diesem Bereich gehören junge Leute, kinderreiche Familien, Behinderte und alte Menschen, wie es der Globale Ethikkodex für Tourismus vorsieht.[5]

 

8. Wir müssen daher einen “Tourismus für alle” fördern, der ethisch und nachhaltig ist und der eine reale physische, wirtschaftliche und soziale Zugangsmöglichkeit garantiert, wobei jede Form der Diskriminierung zu vermeiden ist. Damit ein solcher Vorschlag realistisch wird, muss man auf das Bemühen von allen: Politikern, Unternehmern und Konsumenten sowie der Vereine, die in diesem Bereich tätig sind, zählen können.

Die Kirche betrachtet alle Anstrengungen als positiv, die auf die Verwirklichung eines „Tourismus für alle“ abzielen, Initiativen „die den Tourismus wirklich in den Dienst der persönlichen Selbstverwirklichung und sozialen Entwicklung stellen“.[6]

Sie leistet schon lange einen eigenen Beitrag, sowohl durch ihre theoretischen Überlegungen, als auch durch zahlreiche konkrete Initiativen, von denen viele Pioniervorhaben waren, die mit begrenzten wirtschaftlichen Mitteln und viel Hingabe verwirklicht wurden und die gute Ergebnisse erzielt haben.

 

Möge das Engagement der Kirche zugunsten eines „Tourismus für alle“ als ein Zeugnis der besonderen Vorliebe Gottes für die Schwächsten“ erlebt und verstanden werden.[7]

 

Vatikanstadt, am 24. Juni 2016

 

Antonio Maria Kard. Vegliò

Präsident

 

X Joseph Kalathiparambil

Sekretär





[1] Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Orientierungen für die Tourismusseelsorge, 29. Juni 2001, Nr. 6.

[2] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 7. Dezember 1965, Nr. 61 und 67; Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Orientierungen für die Tourismusseelsorge, Nr. 6.

[3] Welttourismusorganisation, Globaler Ethikkodex für Tourismus, 1. Oktober 1999, Art. 7 § 1.

[4] Vgl. Franziskus, Enzyklika Laudato si’ über die Sorg für das gemeinsame Haus, 24. Mai 2015.

[5] Vgl. Welttourismusorganisation, Globaler Ethikkodex für Tourismus, Art. 7 § 4.

[6] Vgl. Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Orientierungen für die Tourismusseelsorge, Nr. 24.

[7] Ibidem.